Regionalverband im Cartellverband (CV)

Geschichte der CV-Zirkel im Gauverband

Historischer Abriss

Geschichte der CV-Zirkel im Gauverband

Ortszirkel

Die CV-Zirkel sind die örtlichen Zusammenschlüsse der Cartellbrüder — insbesondere der Alten Herren — dort, wo es keine eigene Verbindung gibt. Sie halten den Zusammenhalt des Cartellverbands ins Berufs- und Alltagsleben über die Studienzeit hinaus lebendig. Der Gauverband Bodensee-Oberschwaben umfasst mehrere Zirkel zwischen Bodensee, Oberschwaben und Donautal. Der folgende Abriss folgt der Reihung der Zirkel im Gauverband.

Ravensburg: der älteste Zirkel des Gauverbands

Ravensburg. 1892 wurde in der oberschwäbischen Metropole ein CV-Zirkel gegründet, der anfangs zwölf Mitglieder zählte. Waren es damals überwiegend Angehörige der AV Guestfalia aus der württembergischen Universität Tübingen, so bilden heute etwa 70 zahlende CVer aus den verschiedensten Korporationen den Kern des nach wie vor sehr aktiven Zirkels.

Das 110-jährige Jubiläum feierte der Zirkel am 19. und 20. Oktober 2002. Am Samstag führte der Historiker Alfred Lutz die Gäste vor dem historischen Rathaus; am Sonntag zelebrierte Weihbischof em. Cbr Franz Josef Kuhnle (ChT) den Festgottesdienst in der alten Kirche in Oberzell. Im Höhenrestaurant Veitsburg hieß der Zirkelvorsitzende Cbr Norbert Kopfsguter (Hr) die Festgäste willkommen, und der frühere Oberbürgermeister Karl Wäschle hielt die Festansprache zum Thema „Sechs Jahrzehnte Ravensburg — erlebte Zeitgeschichte“. In den vergangenen 110 Jahren stellte der Zirkel vier Oberbürgermeister bzw. Bürgermeister in Ravensburg.

Sigmaringen: ein Jahrhundert am Donautal

Der CV-Zirkel Sigmaringen feierte 2019 sein hundertjähriges Jubiläum — gegründet wurde der Zirkel 1919. Zum 100. Stiftungsfest trafen sich die Mitglieder mit Gästen aus dem Gauverband; der Festkommers stand im Zeichen der Verwurzelung des Zirkels in der Stadt und im Donautal.

Coronabedingt etwas verspätet hat sich der Zirkel im Nachgang zum Jubiläum noch zwei kleine Geschenke gemacht: An seinem Stammlokal, der „Traube“ in Sigmaringen, wurde vom Zirkelvorsitzenden Cbr Dirk Gaerte (Ho) und dem Ehrenvorsitzenden Cbr Anton Kirsch (ChT) eine Plakette des Zirkels angebracht. Für die monatlichen Zusammentreffen hat Zirkelmitglied Cbr Fabian Wiest (Sch) einen Zirkel-Jubiläums-Wimpel kreiert und produziert.

Friedrichshafen: die Bodenseekneipen

Der CV-Zirkel Friedrichshafen, gegründet 1976, prägte mit den sogenannten Bodenseekneipen ein Format, das weit über die Stadt hinausstrahlte. Eingeladen waren jeweils die Ortszirkel des Gauverbands, der KV-Zirkel Bodensee und der ND; wie jedes Jahr wurden für den CV geeignete Abiturienten angeschrieben.

Die 6. Bodenseekneipe am 11. und 12. Juni 1988 wurde von der KDStV Nordgau-Prag (Stuttgart) zu Koblenz geschlagen. Auch die Verbindungen, die die vorangegangenen Kneipen geschlagen hatten, waren mit Abordnungen vertreten, ebenso die Schülerverbindung Aho-Suevia aus Ehingen. Die Veranstaltung begann am Samstag mit einer Bootsfahrt auf dem Bodensee, am Abend stand die Kneipe. Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst in einer kleinen Barockkapelle an einem idyllischen Weiher im Bodensee-Hinterland, „ganz vom CV gestaltet, vom Zelebranten Msgr. Cbr Robert Mayer (Gu) über den Organisten Cbr Martin Wieger (NbB) bis zu den Ministranten“. Anschließend fuhr oder wanderte man zum Bauernhof von Cbr Gebhard Roth (NdP), wo die Familie Roth alles für einen prächtigen Frühschoppen vorbereitet hatte, der sich bis in die Abendstunden zog — rund 100 CVer und Familienangehörige feierten, begleitet von einer Musikkapelle.

Die 8. Bodenseekneipe am 7. und 8. Juli 1990 schlug die KDStV Fredericia Bamberg. CVer aus Bamberg, „Guestfalen und Cherusker aus Tübingen sowie Tuiskonen aus München“ sowie KDStV Nordgau-Prag (Stuttgart) zu Koblenz waren gekommen, „und über den Bodensee waren Aktive der KDStV Bodensee Konstanz gekommen“. Nach der Kneipe im Gemeindesaal von St. Maria, in der ein Cartellbruder seit kurzem Hausherr war, kamen nahezu 100 CVer, Damen und Gäste zusammen; am Sonntag feierte die Gruppe die Messe im Theresienheim. Durch die jährliche Einladung geeigneter Abiturienten waren in den Jahren „schon einige junge Männer“ so zum CV gekommen. Am 22. August 2026 feierte der Zirkel sein 50-jähriges Bestehen — mit einem Tagesprogramm in Seefelden am Bodensee.

Ulm / Neu-Ulm: vom Fahnenmast zur Suebo-Danubia

Der CV-Altherrenzirkel Ulm/Neu-Ulm initiierte 1973 die Gründung der AV Suebo-Danubia — und ist seitdem untrennbar mit der Verbindung verflochten. Beim Einweihungsabend des neuen Verbindungshauses an der Frauensteige konnte der WHV-Vorsitzende Cbr Dr. Wolfgang Walter (Sb-D) 2008 „zum ersten Mal — zunächst noch inoffiziell — den Fahnenmast in Betrieb nehmen, den der CV-Zirkel Ulm/Neu-Ulm gespendet hatte“. Die schwarz-weiß-goldene Fahne „flatterte stolz im blauen Ulmer Abendhimmel“. Gemeinsam mit dem Altherrensenior Cbr Johannes Kleber (Sb-D) nahm Walter das Hausschild mit einem großen Verbindungswappen entgegen, „auch dies eine Spende“. Unter den Gästen war die baden-württembergische Sozialministerin Dr. Monika Stolz, Ehefrau des Bundesbruders Cbr Hans Stolz (ChT). In Anspielung auf das zuvor gesungene Kirchenlied meinte Kleber: „Wir haben ein Haus voll Glorie“. Die Fürbitten sprach Pfarrer Cbr Dieter Omonsky (Gu); danach wurde die Verbindungsfahne auch offiziell gehisst. Bei einem Weißwurstfrühstück saßen die Suebo-Danuben dann noch lange zusammen in Garten und Kneipsaal.

Konstanz: der Zirkel am Bodenseeufer

Die KDStV Bodensee, 1974 in Konstanz gegründet, verband den Zirkel mit dem aktiven Verbindungsleben am See — 1988 und 1990 kamen Aktive der Verbindung mit Abordnungen auf die Bodenseekneipen nach Friedrichshafen. Über Jahrzehnte prägte Cbr Winfrid Müller (Fd) das CV-Leben am Bodensee: In den 1970er-Jahren verfasste er Beiträge für die CV-Verbandszeitschrift, 1984 übernahm er das Amt des Philisterseniors der KDStV Bodensee — nach Cbr Josef Nauerz — und 1990, zu seinem 60. Geburtstag, wurde er als „noch nahezu langjähriger Philistersenior“ der jungen Verbindung geehrt.

Der CV-Zirkel Konstanz ist der Zusammenschluss der in Konstanz, Allensbach, auf der Reichenau und der Mainau sowie in den Regionen Kreuzlingen, Frauenfeld, Weinfelden, Amriswil, Romanshorn und St. Gallen wohnenden Cartellbrüder. Er versteht sich als Zirkel für alle CVer im Raum Konstanz — Aktive und Alte Herren sind hier gleichberechtigte Mitglieder, nicht ausschließlich ein Altherrenverband. Der Zirkel ist Mitglied des Gauverbands Bodensee-Oberschwaben.

Zu einem monatlichen Stammtisch treffen sich die Cartellbrüder in Konstanz seit Anfang des 20. Jahrhunderts — lange im „Barbarossa“ am Obermarkt. Das Gründungsdatum des Zirkels lässt sich anhand von Schriftquellen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückführen, möglicherweise als Abkömmling des ältesten Zirkels des Gauverbands, des CV-Zirkels Ravensburg.

An der Spitze des Zirkels standen: Cbr Prof. Dr. Karl Oréans (ca. 1930), Cbr Dr. Franz Häfele (ca. 1935–1954), Cbr Albert Häßler (1954–1966), Cbr Dr. Ludwig Fuchs (1966–1970), Cbr Winfrid Müller (1970–1974), Cbr Prof. Dr. Franz Stetter (ChT, 1974–1975), Cbr Prof. Walter Riedlinger (1975–1977), Cbr Karl Dreher (NdP, 1977–1981), Cbr Hubert Henning (1981–1988), Cbr Dr. Manfred Kaspar (F-Rt, 1988–2008), Cbr Prof. Dr. Christoph Wagener (Na, 2008–2016) — und seit 2017 Cbr Michael Gabel (Cpf), Cbr Prof. Dr. Georg Stippler (ChW) und Cbr Prof. Dr. Christoph Wagener (Na). Auch Cbr Josef Nauerz (Sch) war lange Zeit Vorsitzender des Zirkels.

Biberach, Ehingen und Singen: Belege aus Listen und Lebensbildern

Biberach. Auf der Spendenliste der CV-Afrika-Hilfe für das Jahr 1978 ist der Zirkel mit einer Zahlung vom 2. Juni 1978 über 400 Mark verzeichnet — ein Beleg für die Mitgliedschaft des Zirkels in der überregionalen Spendenarbeit des Cartellverbands.

Ehingen. In den Spendenlisten der frühen 1970er-Jahre erscheint der Zirkel unter dem Namen „AH-Zirkel Ehingen 'Donau“; in der Liste von 1976 trägt er bereits die spätere Form „CV-Zirkel Ehingen/Donau“ — ein Hinweis auf die Namensentwicklung des Zirkels hin zur heute gebräuchlichen Bezeichnung.

Singen. In einem Lebensbild aus den 1980er-Jahren wird der Reg.-Dir. i. R. Cbr Wilhelm Wiesner (F-Rt) — 1933 bei der KDStV Franco-Raetia zu Würzburg rezipiert — als „reges Mitglied des Singener CV-Zirkels“ beschrieben. Der Zirkel war zu dieser Zeit ein fester Ort der verbandlichen Zugehörigkeit.

Nordgau-Prag und Der Hohentwiel: Verbindungen im Blickfeld des Gauverbands-Bereichs

Nordgau-Prag. Die KDStV Nordgau-Prag (Stuttgart) zu Koblenz (NdP) hat ihren Ursprung in Wien. Dort wurde 1900 aus der Austria-Wien heraus die KÖHV Nordgau-Wien gegründet — für Studierende aus den „nördlichen Gauen“ der Donaumonarchie. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Habsburgermonarchie gehörten die Herkunftsgebiete der Mitglieder nicht mehr zu Österreich. Die neuen Grenzen schnitten die Nordgauer von Wien ab. Am 24. Juli 1921 gründeten sie an der deutschen Karls-Universität in Prag die Tochterverbindung Nordgau-Prag — im Heimatgebiet der Verbindungsmitglieder.

Die 1886 in Prag gegründete KDStV Ferdinandea (Prag, Bamberg) zu Heidelberg leistete tatkräftige Unterstützung: Sie stellte die Gründungsburschen und zeichnete für die dritte Farbe im Band der jungen Verbindung verantwortlich. 1922 wurde Nordgau-Prag in den CV aufgenommen. Die Patenschaft übernahm die KDStV Winfridia zu Breslau, die heute in Münster wirkt.

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen 1938 wurde die Verbindung in Prag zwangsaufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich einige Nordgauer im Schwabenland wieder und betrieben die Reaktivierung an der Technischen Hochschule Stuttgart. Am 13. Mai 1950 wurde die Verbindung als KDStV Nordgau-Prag zu Stuttgart wiederbegründet. Die KDStV Der Hohentwiel zu Stuttgart unterstützte die Reaktivierung aktiv und stellte vier Burschen.

Von 1957 bis zu seinem Tode 1989 übernahm Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein die Schirmherrschaft für den Stuttgarter Nordgau. 1988 schlug die Verbindung die 6. Bodenseekneipe des CV-Zirkels Friedrichshafen. 1991 feierten rund 200 Nordgauer im Stuttgarter Kolpinghaus das 40. Wiedergründungsjubiläum — mit ebenso vielen Angehörigen der „Mutter“-Verbindung Nordgau-Wien und der KDStV Der Hohentwiel. Ende der 1990er-Jahre musste der Aktivenbetrieb in Stuttgart wegen Nachwuchsmangels eingestellt werden. Im Sommersemester 2003 wurde die Verbindung in Koblenz wiederbegründet — unter tatkräftiger Mithilfe des Altherrenzirkels Confluentia. Dort wirkt sie bis heute.

Der Hohentwiel. Die KDStV Der Hohentwiel zu Stuttgart wurde 1924 als Tochterverbindung der AV Alania gegründet. Sie war eine der vier ortsansässigen CV-Verbindungen in Stuttgart — neben Alania, Carolingia und Nordgau-Prag — und stellte 1950 vier Burschen für die Reaktivierung der Nordgau-Prag. Seit den späten 1970er-Jahren kämpfte die Verbindung mit erheblichem Nachwuchsmangel. 1994 präsidierte die just rekonstruierte Verbindung dem Aulendorfer Dreikönigskommers. Am 15. März 1997 beschloss die Verbindung mit 90 Prozent der Stimmen, sich aufzulösen und zur „Mutter“ Alania zurückzukehren. Der Fusionskommers fand am 25. April 1997 statt.

Diese Zusammenfassung beruht auf den Berichten der CV-Verbandszeitschrift ACADEMIA.

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